Die Geschichte des Solitär — Von Kartentischen zu Computerbildschirmen

Entdecken Sie die reiche Geschichte des Solitär von seinen europäischen Ursprüngen im 18. Jahrhundert über Microsoft Solitaire bis hin zu modernen mobilen Apps. Erfahren Sie, wie dieses Kartenspiel ein weltweites Phänomen wurde.

Ein Spiel, das die Welt eroberte

Solitär — in weiten Teilen Europas als „Patience" bekannt — ist eines der meistgespielten Kartenspiele der Menschheitsgeschichte. Von seinen obskuren Ursprüngen im Europa des 18. Jahrhunderts bis zu seiner explosionsartigen digitalen Verbreitung durch Microsoft Windows hat Solitär eine Reise über Jahrhunderte und Kontinente zurückgelegt, um zu einer universellen Freizeitbeschäftigung zu werden. Seine Geschichte ist eine Erzählung aristokratischer Muße, Einsamkeit in Kriegszeiten, technologischer Revolution und anhaltender menschlicher Faszination.


Ursprünge im Europa des 18. Jahrhunderts

Die frühesten Hinweise

Die genauen Ursprünge des Solitär sind in den Nebeln der Geschichte verborgen. Die frühesten schriftlichen Erwähnungen von Patience-Spielen stammen aus dem späten 18. Jahrhundert und finden sich in deutschen und skandinavischen Quellen. Eine weit verbreitete Theorie besagt, dass das Spiel in Nordeuropa — möglicherweise in Deutschland oder Skandinavien — als eine Form der Wahrsagerei oder des Zeitvertreibs entstand.

Verbreitung in Frankreich

Solitär erlangte im frühen 19. Jahrhundert in Frankreich große Popularität. Französische Aristokraten und Gelehrte begeisterten sich für das Spiel, und zahlreiche französische Bücher über Patience wurden veröffentlicht. Napoleon Bonaparte soll während seines Exils auf der Insel St. Helena ein begeisterter Patience-Spieler gewesen sein — obwohl historische Beweise dafür begrenzt sind.

Die deutsche Tradition

In Deutschland hat das Patience-Spiel eine besonders lange Tradition. Deutsche Spielesammlungen aus dem 19. Jahrhundert enthielten zahlreiche Patience-Varianten, und viele der heute bekannten Spielnamen haben deutsche Wurzeln. Das Wort „Patience" selbst — obwohl französischen Ursprungs — wurde im deutschen Sprachraum weit verbreitet.


Das 19. und frühe 20. Jahrhundert

Erste gedruckte Regelbücher

Das erste bekannte Buch, das ausschließlich Patience-Spielen gewidmet war, erschien 1860 in Deutschland. Lady Adelaide Cadogan veröffentlichte 1870 in England „Illustrated Games of Patience", das zahlreiche Varianten katalogisierte und standardisierte. Diese Bücher legten den Grundstein für die Regeln, die wir heute kennen.

Klondike taucht auf

Die genaue Herkunft von Klondike Solitär — der heute beliebtesten Variante — ist umstritten. Der Name „Klondike" verweist auf den Goldrausch am Klondike in Kanada (1896–1899), und es wird vermutet, dass Goldsucher das Spiel in den einsamen Lagern der Wildnis spielten.

Solitär als gesellschaftliches Phänomen

Im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert war Patience ein fester Bestandteil der bürgerlichen Freizeitkultur. Es galt als respektable Beschäftigung für Damen und Herren gleichermaßen und wurde in gesellschaftlichen Kreisen ebenso geschätzt wie Schach oder Bridge.


Die digitale Revolution

Microsoft Solitaire (1990)

Der entscheidende Wendepunkt in der Geschichte des Solitär kam 1990, als Microsoft-Praktikant Wes Cherry eine Version von Klondike Solitär für Windows 3.0 programmierte. Das Spiel wurde als Mittel eingeführt, um Computernutzern den Umgang mit der Maus beizubringen — insbesondere das Klicken und Ziehen.

Was als bescheidenes Lernwerkzeug begann, wurde zu einem der meistgespielten Computerspiele aller Zeiten. Millionen von Büroangestellten weltweit entdeckten Solitär als willkommene Ablenkung während der Arbeit.

Weitere digitale Meilensteine

  • 1995: FreeCell wurde in Windows 95 aufgenommen und gewann sofort eine treue Fangemeinde.
  • 1998: Spider Solitär debütierte in Windows 98 und bot eine anspruchsvollere Alternative.
  • 2012: Microsoft Solitaire Collection vereinte alle Varianten in einer einzigen App.
  • 2019: Microsoft Solitaire wurde in die World Video Game Hall of Fame aufgenommen.

Solitär heute

Heute wird Solitär von Hunderten von Millionen Menschen weltweit gespielt — auf Computern, Tablets und Smartphones. Das Spiel hat seinen Sprung ins mobile Zeitalter mühelos geschafft und ist auf jeder Plattform verfügbar.

Die Langlebigkeit von Solitär beweist seine zeitlose Anziehungskraft: Es ist einfach genug, um sofort zugänglich zu sein, und doch strategisch genug, um ein Leben lang zu fesseln.

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